Der Alstertal-Radweg gehoert zu den beliebtesten Radstrecken Hamburgs — und das voellig zu Recht. Auf rund 28 Kilometern fuehrt er von der Alsterquelle in Henstedt-Ulzburg durch idyllische Flusslandschaften, vorbei an alten Muehlen und durch schattige Waldpassagen bis ins Herz der Hansestadt. Wir haben die gesamte Strecke abgefahren und teilen hier unsere Erfahrungen, Tipps und Highlights.
Die Route im Ueberblick
Steckbrief
Laenge: ca. 28 km (einfache Strecke)
Schwierigkeit: Leicht — ueberwiegend flach, asphaltiert
Dauer: 1,5–2,5 Stunden (je nach Tempo und Pausen)
Geeignet fuer: Familien, Tourenradler, E-Bikes, Rennraeder
Beste Jahreszeit: April bis Oktober
Rueckfahrt: S-Bahn ab Henstedt-Ulzburg oder umgekehrt
Start: Die Alsterquelle in Henstedt-Ulzburg
Die Reise beginnt unspektakulaer und gerade deshalb charmant. In einem kleinen Waldgebiet bei Henstedt-Ulzburg sprudelt die Alster aus dem Boden — markiert durch einen schlichten Gedenkstein. Wer mit der S-Bahn anreist (Linie S1 bis Henstedt-Ulzburg), erreicht die Quelle nach etwa zehn Minuten Fahrt durch ein Wohngebiet.
Gleich am Start faellt auf, was den gesamten Alstertal-Radweg auszeichnet: Man befindet sich in einer ueberraschend naturnahen Umgebung, obwohl die Grossstadt nur eine halbe Stunde entfernt liegt. Die Alster ist hier kaum mehr als ein Bach, gesaeumt von Erlen und Weiden, und das Gezwitscher der Voegel uebertont selbst an Werktagen jedes Verkehrsgeraeusch.
Abschnitt 1: Henstedt-Ulzburg bis Poppenbeuttel (12 km)
Der erste Abschnitt fuehrt durch die Gemeinden Henstedt-Ulzburg und Norderstedt. Der Weg ist hier groesstenteils asphaltiert und fuehrt oft direkt am Flussufer entlang. Besonders schoen ist der Abschnitt durch das Naturschutzgebiet Raakmoor, wo Birken und Erlen ein dichtes Blatterdach bilden.
Bei Norderstedt passiert man den Stadtpark, der sich als Zwischenstopp anbietet. Es gibt Baenke, Spielplaetze und im Sommer einen Kiosk mit Kaffee und Kuchen. Ab hier wird der Fluss breiter und ruhiger, und man bekommt eine erste Ahnung davon, was die Alster weiter suedlich sein wird.
Der Abschnitt durch das Raakmoor ist besonders im Fruehling ein Erlebnis — wenn die Buesche bluehen und die Froeschkonzerte beginnen, vergisst man voellig, dass man sich in einer Millionenstadt bewegt.
Hinter Norderstedt taucht der Weg in das eigentliche Alstertal ein. Hier faehrt man durch Wohldorf-Ohlstedt und Duvenstedt, zwei der gruensten Stadtteile Hamburgs. Reithoefe, Streuobstwiesen und alte Bauernhaeuser praegen das Bild. An der historischen Mellingburger Schleuse lohnt sich ein kurzer Stopp — die Anlage aus dem 19. Jahrhundert ist liebevoll restauriert und erklaert auf Infotafeln die Wassermuehlen-Geschichte der Alster.
Abschnitt 2: Poppenbeuttel bis Ohlsdorf (8 km)
Ab Poppenbeuttel aendert sich der Charakter der Route. Die Alster wird zum richtigen Fluss, der Weg fuehrt vorbei an den Teichwiesen — einem der wichtigsten Vogelschutzgebiete im Hamburger Stadtgebiet. Im Fruehling und Herbst lassen sich hier mit etwas Glueck Graureiher, Eisvoegel und verschiedene Entenarten beobachten.
In Wellingsbeuttel und Bramfeld wird es dann etwas urbaner. Der Radweg folgt hier stellenweise Nebenstrassen, ist aber durchgehend beschildert. Ein Highlight dieses Abschnitts ist der Alster-Vorland-Park in Winterhude, wo sich der Fluss in mehrere Arme aufteilt und kleine Inseln bildet.
Tipp: Abstecher zum Ohlsdorfer Friedhof
Wer etwas Zeit mitbringt, sollte einen kurzen Abstecher zum Ohlsdorfer Friedhof machen. Der groesste Parkfriedhof der Welt ist nicht nur kulturhistorisch interessant, sondern auch ein hervorragendes Radrevier mit kilometerlangen, autofreien Wegen durch alte Baumbestaende. Die zusaetzliche Schleife fuegt etwa 4–6 km hinzu.
Abschnitt 3: Ohlsdorf bis Binnenalster (8 km)
Der letzte Abschnitt ist der staedtischste — und auf seine Weise der spektakulaerste. Ab der Barmbeker Strasse weitet sich die Alster zum Stadtparksee, und ploetzlich oeffnet sich das Panorama. Rechts der Winterhuder Stadtpark, links die ersten Villen an der Aussenalster.
Am Leinpfad, der eleganten Uferpromenade zwischen Winterhude und Uhlenhorst, faehrt man direkt am Wasser entlang. An schoenen Tagen herrscht hier reges Treiben: Jogger, Spaziergaenger, Ruderer auf dem Wasser und die allgegenwaertigen Alsterschwanen. Die Aussicht auf die Skyline mit den Tuermen der Hauptkirchen ist einer der schoensten Stadtblicke, die Hamburg zu bieten hat.
Die Route endet an der Binnenalster, direkt am Jungfernstieg. Von hier aus sind es nur wenige Minuten zum Hauptbahnhof, von wo aus Zuege und S-Bahnen in alle Richtungen fahren.
Praktische Tipps
- Anreise: S1 bis Henstedt-Ulzburg (noerdlicher Start) oder jede S-/U-Bahn zum Jungfernstieg (suedlicher Start). Fahrradmitnahme im HVV ausserhalb der Sperrzeiten kostenfrei.
- Verpflegung: In Poppenbeuttel gibt es mehrere Cafes direkt am Weg. Am Leinpfad ist das „Cliff“ (Winterhude) eine beliebte Einkehr. Trotzdem empfehlen wir, Wasser und einen Snack mitzunehmen — besonders auf dem noerdlichen Abschnitt gibt es lange Passagen ohne Gastronomie.
- Untergrund: Ueberwiegend Asphalt, teilweise wassergebundene Decke. Bei starkem Regen koennen einzelne Abschnitte im Bereich Raakmoor matschig werden.
- Beschilderung: Durchgehend beschildert mit gruenen Wegweisern. Im Stadtgebiet teilweise gemeinsame Fuehrung mit anderen Radrouten — auf die Alster-Piktogramme achten.
- Fahrradverleih: StadtRAD-Stationen gibt es ab Poppenbeuttel suedwaerts in regelmaessigen Abstaenden.
Varianten und Erweiterungen
Wer die Tour verlaengern moechte, kann am Jungfernstieg weiter um die Aussenalster fahren (zusaetzliche 8 km) oder in Ohlsdorf auf den Alsterwanderweg Richtung Bramfelder See abbiegen. Ambitionierte Fahrer kombinieren den Alstertal-Radweg mit dem Elbe-Radweg zu einer grossen Hamburg-Runde von ueber 70 km.
Fuer Familien mit kleinen Kindern empfehlen wir, nur den Abschnitt Poppenbeuttel bis Winterhude zu fahren (ca. 10 km). Dieser Teil ist flach, durchgehend asphaltiert und bietet mit den Teichwiesen und dem Stadtpark gleich zwei attraktive Pausenstopps.
Unser Fazit
Der Alstertal-Radweg ist die perfekte Einsteigertour fuer alle, die Hamburg per Rad entdecken moechten. Die Strecke ist auch fuer ungeuebte Radfahrer problemlos machbar, bietet aber genug landschaftliche Abwechslung, um auch erfahrene Tourenfahrer zu begeistern. Besonders die Kombination aus Natur im Norden und Stadtpanorama im Sueden macht diese Route so besonders. Unser absoluter Favorit fuer einen entspannten Sonntagnachmittag.